Krieg in der Ukraine

"Wir glauben an die Kraft des Gebetes"

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Die Kirchen in Deutschland haben angesichts der gestern gestarteten Angriffe russischer Streitkräfte auf die Ukraine zu Gebeten und Glockengeläut für den Frieden aufgerufen.


Der Frieden in Mittel- und Osteuropa steht auf dem Spiel. Foto: panthermedia

Bischof Franz-Josef Bode hat alle Pfarrgemeinden im Bistum Osnabrück zum Gebet für Frieden in der Ukraine aufgerufen. „Der Friede auf unserem Kontinent scheint dieser Tage in weite Ferne gerückt. Deshalb rufe ich alle Pfarrgemeinden im Bistum Osnabrück auf, am Wochenende in den Gottesdiensten und zu den anderen Gebetszeiten für Frieden und Verständigung in der Ukraine und Russland zu beten“, heißt es in einer Mitteilung des Bistums.

Der Angriff der russischen Streitkräfte bringe unermessliches Leid über die Menschen dort. „Sie müssen um ihr Leben und ihre Existenz fürchten und blicken in eine ungewisse und gefahrvolle Zukunft.“ Auch russische Familien bangten um ihre Angehörigen, die von der Regierung in einen unsinnigen Krieg geschickt würden, so Bischof Bode. Und auch hier im Bistum mache die Situation vielen Menschen Angst und Sorge. Der Bischof bittet außerdem die Gläubigen im Bistum, die Arbeit der kirchlichen Hilfswerke in der Ukraine zu unterstützen.

„Es ist ein dunkler Tag für Europa, vor allem für die Menschen in der Ukraine“, sagt Bischof Thomas Adomeit, Ratsvorsitzender der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen. Am Freitag, 25. Februar, ab 18 Uhr soll landesweit in möglichst vielen Gemeinden Solidarität mit den von Kriegshandlungen betroffenen und bedrohten Menschen gezeigt werden.

„Viele Menschen werden ihr Leben verlieren – durch Krieg in Europa. Das ist eine unerträgliche Vorstellung“, betont Adomeit, der auch Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg ist. „Alle Beteiligten wissen, dass ein Krieg nur Verliererinnen und Verlierer kennen wird, da Gewalt nie eine Lösung sein kann. Gewalt wird immer nur wieder neue Gewalt hervorrufen.“

Die Deutsche Bischofskonferenz und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) rufen gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) die Gläubigen zum Gebet für den Frieden in der Ukraine auf. Die Kirchengemeinden und christliche Gruppen sind eingeladen, sich am Sonntag, 27. Februar, am frühen Abend in Friedensgottesdiensten und Gebeten mit den Opfern des Krieges zu verbinden und Frieden für die geschundene Ukraine zu erbitten. Die Kirchenglocken sollen zum Gebet einladen.

„Als Christen verurteilen wir kriegerische Gewalt und deshalb auch die Invasion der Ukraine durch Russland. Dies ist ein Angriffskrieg, der dem Völkerrecht und der christlichen Friedensethik zuwiderläuft“, erklärt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing. „Unsere Bestürzung und Beklemmungen angesichts des Krieges tragen wir im Gebet vor Gott, der sich am Ende immer als mächtiger erweist als die Mächtigen dieser Erde.“ Bischof Bätzing wird am Sonntag, 18 Uhr, ein Gebet im Limburger Dom leiten.

Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister fordert unterdessen, den Blick auf die Leidtragenden zu richten. „Die erste Verpflichtung lautet, diejenigen zu schützen, die Opfer dieser Bosheit werden“, sagt Meister. Die aktuelle Lage sei nur schwer in Worte zu fassen. „Es ist Krieg, die Nachrichten überschlagen sich, und die Diplomatie ist gescheitert. Mit Fassungslosigkeit und Angst erleben wir, dass sich das Böse in Europa mit militärischer Gewalt Raum greift.“

Auch der Hildesheimer katholische Bischof Heiner Wilmer sprach von einem klaren Bruch des Völkerrechts. Es werde deutlich, wie wenig selbstverständlich und brüchig der Friede sei. Er hoffe, dass im Kreml die Einsicht Einzug halte, dass es letztlich nur Verlierer geben könne. „Tote, Verletzte, Vertriebene, menschliches Leid in unfassbarem Ausmaß, zerstörte Staaten und ruinierte Volkswirtschaften - das sind die schrecklichen Folgen von Kriegen“, sagte Wilmer. Weiteres Blutvergießen müsse mit diplomatischen Mitteln verhindert werden.

In einer Stellungnahme haben sich auch der Bremer Propst Bernhard Stecker und Pfarrer Jan Kurcap von der polnischen Gemeinde in Bremen zur aktuellen Entwicklung in der Ukraine geäußert: "Die Angriffe des russischen Militärs mit Bombardements und Bodentruppen auf die Ukraine haben auch die katholischen Christen in Bremen tief beunruhigt. Wir stehen an der Seite derer, die in der Ukraine in Frieden und Freiheit leben wollen und fühlen uns eng verbunden mit den christlichen Kirchen im Land. Gott will, dass wir Geschwister sind, nicht Feinde. Wir Christen glauben nicht, dass die Anwendung von Gewalt die Welt verbessern kann. Aber wir glauben an die Kraft des Gebetes. Daher bitte ich Sie: Beten wir für die Opfer der vom russischen Präsidenten Wladimir Putin verursachten Aggression. Beten wir für den Frieden in der Ukraine und in ganz Mittel- und Osteuropa."

Bisher geplante Aktionen und Friedensgebete

Freitag, 25. Februar: ökumenisches Friedensgebet um 18 Uhr in der St.-Marien-Kirche in Osnabrück.

Freitag, 25. Februar: Friedensgebet um 17.30 Uhr auf dem Marktplatz in Bremen. Auch Propst Bernhard Stecker wird daran teilnehmen.

Freitag, 25. Februar: Friedensgebet vor der ehemaligen Kirche in Hagen a.T.W., 19 Uhr.

Freitag, 25. Februar: Friedensgebet in der Kirche St. Josef in Hollage, 18 Uhr.

Samstag, 26. Februar: Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Osnabrück (ACKOS) ruft zur Teilnahme am Friedensgebet um 11.30 Uhr in St. Marien, Osnabrück, auf. Das ökumenische Friedensgebet findet regelmäßig samstags statt und widmet sich diesmal dem Ukraine-Krieg. Die Osnabrücker Friedensinitiative  (Ofri) kündigt eine anschließende Mahnwache an. Nach dem Friedensgebet in der Marienkirche soll es um 11.45 Uhr in einem Schweigemarsch zum Jürgensort gehen.

Sonntag, 27. Februar: Friedensgebete jeweils um 17 Uhr in den fünf Pfarreien von St. Joseph, Osnabrück: St. Ansgar (Nahne), St. Antonius (Voxtrup), Maria Hilfe de Christen (Lüstringen), Heilige Familie (Schölerberg) und St. Joseph (Miquelstraße).

Sonntag, 27. Februar: Friedensgebet der Kolpingsfamilie Ankum in der Kirche St. Nikolaus, 18 Uhr.

Sonntag, 27. Februar: Friedensgebet in der Kirche St. Maria Rosenkranz, Osnabrück, 17.30 Uhr.

Norbert Kalinsky vom Katholischen Stadtdekanat Osnabrück hat angekündigt, dass die Unrechtssituation in der Ukraine ausdrücklich in das Gebet um Frieden in den Gottesdiensten an den kommenden Tagen und am Wochenende aufgenommen wird. Das Bistum hat dazu auf seiner Homepage liturgische Hilfen zum Gebet für den Frieden anlässlich des Ukrainekrieges zum Herunterladen veröffentlicht. Darüber hinaus gibt es in einzelnen Gemeinden besondere Friedensgebetszeiten, zum Beispiel in Hasbergen am Sonntag, 27. Februar, um 17.30 Uhr.

Im Dom und in St. Johann in Osnabrück liegen an den Kerzenständern Friedensgebete aus mit der Einladung, eine Kerze für den Frieden zu entzünden.